Eingemummelt in
eine völlig von Katzenhaaren verfluste Decke sitze ich fröhlich wippend auf
meinem Pezziball vor dem Laptop und mache Homeoffice. Fröhlich nur deshalb,
weil ich gerade einen Mann aus Lebkuchenteig verdrückt habe, muahahaha. Im Hintergrund
strömt in angenehmer Lautstärke und halbwegs qualitativ hochwertigem Sound
Radio Nature. Lieber Dudeldu mit Wasserfällen als das Rauschen meines Tinnitus.
Blöd nur, dass Wasserfallgeräusche im Unterbewusstsein Prozesse auslösen, die
früher oder später einen Gang zur Toilette unvermeidbar machen - bin hin und
hergerissen zwischen natürlichem Drang und absolutem Unwillen, mich aus meiner verhaarten
Decke zu pellen, gerade wo es jetzt endlich warm geworden ist. Das Wippen auf
dem Ball habe ich eingestellt, um so vielleicht doch noch einen Moment länger
in meiner Decke ausharren zu können, bevor ich meine wärmende Hülle ablegen
muss. Der zuvor getrunkene Kaffee trägt seinen Teil bei, dem Lebkuchenmann habe
ich nichts vorzuwerfen. Ok, ich geh ja schon. Der Klügere gibt nach, auch wenn klug
sein und Komfort oft meilenweit auseinander liegen und ich gerade eigentlich so
wenig Lust habe klug zu sein, wie mein Kater die Decke selbst zu entflusen, die
ich jetzt weglege und halb erfriere bei 21 Grad Zimmertemperatur, auf dem 2
Meter-Marsch zur Toilette. Das Leben ist hart, Homeoffice ist härter, der
Lebkuchenmann war am härtesten. Hätte ich ihn noch zwei Wochen bei seinen
Kameraden in der Keksdose links liegen und schmoren lassen, was auch
ursprünglich der Plan war, dann wäre er verweichlicht und würde mir jetzt nicht
mehr zwischen den Zähnen kleben. Das hat man dann von seiner Nachgiebigkeit. Nach
einem kurzen Austritt kann ich mich zumindest wieder zurück in meine Decke
hüllen und weiter auf dem Ball wippen, während ich Emails tippe und Urkunden
ins System hochlade. Homeoffice ist einfach sehr einsam, vor allem wenn man ja
eben auch noch den einzigen anwesenden Mann aufgegessen hat. Wobei mir die
Gesellschaft einer Lebkuchenfrau eigentlich lieber gewesen wäre, aber so ein
Förmchen hatte ich eben nicht da. Doch auch die hätte ich irgendwann vernascht,
denn so tief bin ich in meinem einsamen Kämmerlein noch nicht gesunken, dass
ich mich mit einem Lebkuchen unterhalten würde, egal ob männlich, weiblich oder
divers- wie sähe wohl eine Ausstechform Modell Lebkuchenmensch divers
aus…..Zurück in die Decke, zurück auf den Ball, zurück an die Arbeit.
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